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Kanada lässt
im Nordwest-Atlantik mehr als eine Million Robben abschlachten
10. Februar 2003
Was seit Tagen als schockierendes
Gerücht kursierte, ist jetzt offiziell geworden: Die kanadische
Regierung will in den Jahren 2003, 2004 und 2005 im Nordwest-Atlantik
insgesamt 1.005.000 Robben abschlachten lassen: 975.000 Sattelrobben
und 30.000 der relativ seltenen Klappmützen. Dies gab der kanadische
Fischereiminister Robert Thibault heute in Ottawa bekannt.
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Wegen ihres Fells gejagt:
Robben
© IFAW |
Für zwei der drei
Jahre beträge die Quote jeweils 350.000 Robben, für das
verbleibende Jahr 275.000. Thibault behauptet: Der Plan basiert
auf vernünftigen Tierschutz Prinzipien und stellt für
jetzt und später zugleich Ertragschancen sicher. Robben sind
eine nützliche natürliche Ressource, für 12.000 kanadische
Robbenjäger und ihre Familien ein wertvolles Einkommen."
Kritik an kanadischer
Artenschutzpolitik
Für den Internationalen
Tierschutz-Fonds (IFAW) stellt sich dies ganz anders dar:
Die kanadische Regierung fällt hier ins 19. Jahrhundert zurück,
als der Tier- und Artenschutz nur schwach ausgeprägt war,"
legt IFAW-Direktor Fred O'Regan dar. Große Teile der
Robben-Populationen werden vernichtet."
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| Die Robbenjagd: sehr brutal
© IFAW |
Der IFAW verübelt der kanadischen Regierung
auch, dass dies die bisher höchste Quote sei, die die kanadische
Regierung je festsetzte. Zudem sei in den Berechnungen der Kanadier
nicht berücksichtigt, dass noch einmal mehr als 100.000
Robben aus dieser Population von Grönland entnommen würden
imd dass außerdem rund 30.000 Tiere als Beifang in der kanadischen
Fischerei zu Tode kommen. Zusätzlich würden bei der Jagd
noch viele Robben schwer verletzt - sie entkommen und sterben später.
Sie werden von keiner Statistik erfasst.
Außerdem, so der
IFAW, würde mit der Quote die von der Regierung selbst festgesetzte
Verträglichkeitsgrenze überschritten werden und Berechnungen
von unabhängigen Wissenschaftlern würden völlig vernachlässigt.
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| Grausames Gemetzel: Die Robbenjagd ©
IFAW |
Bundesumweltminister meldet sich zu Wort
Ähnlich äußerte sich auch Bundesumweltminister
Jürgen Trittin in einem Schreiben an die kanadische Regierung.
Es sei unverständlich, dass dass Thibault nicht den Empfehlungen
seiner eigenen Wissenschaftler folge, die als Grenze für eine
nachhaltige Nutzung die Entnahme von nicht mehr als 257.000 Tieren
festgelegt haben, so Trittin in seinem Brief. Auch internationale
Robben-Wissenschaftler hätten für die Erhöhung der
Entnahmequote keinerlei Verständnis, sie setzten die noch vertretbare
Entnahmequote weit tiefer an, so Trittin weiter.
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Die Robben sind einfach nur süß
© IFAW |
Ebenso würden sie die von kanadischen Fischern
und Politikern häufig geäusserte Meinung, die Robben seien
schuld an dem Zusammenbruch der Fischbestände im Nordatlantik,
strikt zurückweisen. Sattelrobben fressen nach Untersuchungen
von Fischereibiologen 100 verschiedene Beutetiere, davon nur 1 bis
4 Prozent Kabeljau, dessen Bestände vor Kanada und Grönland
besonders gelitten haben. "Nach meiner Überzeugung ist
für den Zusammenbruch vieler Fischpopulationen in erster Linie
die Überfischung durch die grossen Fangflotten vieler Nationen
verantwortlich," betonte Trittin.
In einer Untersuchung wies
der Internationale Tierschutz-Fonds auch auf die Grausamkeit der
Robbenjagd hin. Mehr als 40 Prozent der Tiere wären
in den letzten Jahren noch nicht tot gewesen, als sie gehäutet
wurden. Eine Ausweitung der Jagd würde nun zu noch mehr Grausamkeit
führen - nicht zuletzt, weil auch unerfahrene Robbenjäger
zum Zuge kommen.
Autor: Christoph
Schneider
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