In
Sarawak, dem zu Malaysia gehörenden Norden Borneos, leben die
Penan. Sie jagen und sammeln, ernähren sich von stärkehaltigen
Sagopalmen, von Wildschweinen, die sie, um an die nötigen Mineralien
zu kommen, mit Haut und Blut verspeisen, ferner von Affen, Kräutern,
Nüssen und etwa 300 verschiedenen Fruchtarten.
Die Penan sind ein äußerst friedfertiges Volk. In ihren
ursprünglichen Gesellschaften befolgen sie streng ihre Sitten.
Konflikte werden gemieden oder im Gespräch gelöst. Das
absolute Teilen aller Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände
ist selbstverständlich. Persönliches Eigentum gibt es
nicht. Hierarchien im weiteren Sinn kennen die Penan nicht, allerdings
haben Frauen und Männer ihre traditionell zugewiesenen Aufgaben
und Rollen. Es herrscht eine außergewöhnliche Form
der Demokratie: Mitbestimmen dürfen alle bereits verstorbenen
Penan, die relativ kleine Zahl der heute lebenden und die unzähligen,
die noch nicht geboren sind.
Der Schweizer Bruno
Manser lebte von 1983 bis 1989 ununterbrochen bei den Penan. Er
berichtet, in den ganzen sechs Jahren habe er nicht ein einziges
Mal erlebt, daß zwei Penan sich anschreien, sich streiten
oder sich auch nur ins Wort fallen.
Die Penan kennen keinen
Zeit-Begriff. Sie zählen weder Tage noch Jahre. Geburtstage
und Alter sind unbekannt.
Neben einer noch heute gepflegten reichhaltigen Musik-Tradition
gibt es bei den Penan Fragmente eines nur mündlich überlieferten
alten lyrischen Heldenepos, des "Oia Abeng", der angeblich etwas
an Homer erinnere, inzwischen aber leider weitgehend in Vergessenheit
geraten ist. Die uralte Penan-Tradition verschwindet. Coca-Cola,
Bier, Konserven und Taschenlampen haben Einzug gehalten. Was ist
geschehen ?
Fast nirgendwo wird der Regenwald so schnell zerstört wie
in Sarawak. Zwei Drittel der Urwälder Borneos sind seit Anfang
der 80er Jahre vernichtet worden. Holzfäller strömen
in das Land, Bulldozer graben Schneisen in den Lebensraum der
UreinwohnerInnen um den Holzhunger Japans und Europas zu stillen.