In einer Stimmung
des Aufbruchs fand 1992 in Rio de Janeiro die Konferenz für
Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen statt. Es herrschte
die Hoffnung, nun könnten die Staaten der Erde mit vereinten
Kräften den Weg in eine nachhaltige, das heißt zukunftsfähige,
ökologisch tragbare und menschenwürdige Zukunft einschlagen.
Doch mittlerweile zeichnet sich immer deutlicher ab: Die Hoffnung
war vergebens, der Rio-Prozess droht zu scheitern.
Zwar hat die Konferenz erste Ansätze völkerrechtlich
verbindlicher Richtlinien möglich gemacht, doch seither
wurden diese noch kaum eingesetzt. Stattdessen streitet man
noch immer über Details und Grundsatzfragen. Währenddessen
geht die Unterstützung ökologisch-sozialer Entwicklung
in den sogenannten Entwicklungsländern weiter zurück.
Seit 1992 sind die Entwicklungshilfe-Etats aller Industrieländer,
welche ohnehin nie in vereinbarter Höhe eingehalten wurden,
rückläufig.
Die weltweite Verflechtung
der Handelsbeziehungen, bekannt unter dem Stichwort Globalisierung,
liegt also fest in den Händen von Weltbank, IWF (Internationaler
Währungsfonds) und WTO (Welthandelsorganisation) sowie
in den Händen der Großindustrie. So ist dafür
gesorgt, daß die Globalisierung nicht zugunsten einer
lebenswerten Zukunft, sondern zugunsten der kurzfristigen Bereicherung
der Reichen genutzt wird.
Die
Weltwirtschaft ist zu einem der Hauptmotoren der Umweltzerstörung
geworden. Von den Staaten der Tropen verlangt sie schnellstmögliche
Exporte und Gewinne zur Zahlung der rasant wachsenden Schulden.
Die zur Abtragung der erdrückenden Schuldenlast notwendigen
Devisen werden im Zuge von sogenannten Strukturanpassungsmaßnahmen,
deren Bedingungen IWF und Weltbank diktieren, immer stärker
auf Kosten der Regenwälder und der eigenen Bevölkerung
erwirtschaftet: In den ärmsten Ländern der Welt sinkt
das Pro-Kopf-Einkommen seit Jahrzehnten. Mittlerweile übertrifft
das Gesamteinkommen der 358 Milliardäre der Welt das Gesamteinkommen
der Länder, in denen fast die halbe Menschheit wohnt.
Die ökologische
Tragfähigkeit der Erde ist erreicht, sogar schon überschritten
- obwohl noch nicht einmal 20% der Erdbevölkerung dem nördlichen
Zivilisationsmodell folgen. Solange wir in den Industrienationen
so verschwenderisch leben, können wir nicht von den Tropenländern
verlangen, weiterhin in Armut und Abhängigkeit zu bleiben,
um Klima und Artenreichtum zu bewahren.
Wir
müssen gemeinsam mit den Ländern der sogenannten "Dritten
Welt" eine Lösung suchen. Unverbindliche Absichtserklärungen
reichen hier nicht aus. Spätestens der Klimagipfel von
Kyoto im Dezember '97 hat die Unfähigkeit und den Unwillen
der Politik gezeigt, den von WissenschaftlerInnen eindringlich
vorgebrachten Notwenigkeiten zu folgen und sich aus dem Würgegriff
der Industrie zu befreien.